In einer Bearbeitung von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel
Desdemona verliert ihre Unschuld. Nicht jedoch durch ihre Taten, sondern durch Täuschung. Iago, die böseste Figur, die Shakespeare je geschaffen hat, täuscht den gutgläubigen Othello, getrieben von Eifersucht und Hass, indem er ihm den Gedanken einer angeblichen Schuld Desdemonas in den Kopf setzt. Nun ist Othellos Wahrnehmung der Welt um ihn herum getäuscht. Im Intriganten Jago sieht er seinen loyalen Freund, in seinem treuen Leutnant Cassio den Geliebten seiner Frau und in der ihn aufopfernd liebenden Desdemona eine ihn täuschende Hure. Je mehr Desdemona in Othellos Wahrnehmung die Unschuld verliert, um so mehr macht er sich selbst in seinem Wahn schuldig, indem er sie anklagt, beleidigt und schließlich unter seinem mächtigen Körper begräbt.
Die Neuübersetzung und Bearbeitung durch Zaimoglu und Senkel findet eine eigene Sprache, um den Hass, den Rassismus und die Liebe, die sich in Shakespeares Text verbergen, spürbar zu machen. Auf dem Flügel begleitet vom Jazz-Pianisten Jens Thomas, wird die Geschichte vom Untergang einer Liebe auf schmerzhafte Weise erfahrbar. Die Inszenierung von Luk Perceval, die 2003 an den Münchner Kammerspielen Premiere hatte und seitdem auf vielen internationalen Festivals zu sehen war, gehört ab der Spielzeit 2009/2010 zum festen Repertoire des Thalia Theaters.
Übernahme von den Münchner Kammerspielen
Premiere Thalia 13. September, 19 Uhr
Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn







Ob am Düsseldorfer Schauspielhaus in Kriegenburgs „Kabale und Liebe“, am Schauspielhaus Hamburg (Hamlet , Regie: Klaus Schumacher) oder im Thalia Hamburg bei Perzevals Othello: allenthalben treten bei den Klassikerinszenierungen zurzeit harmlose Mädchen im unschuldigen weißen Kleidchen auf, ( noch eine Parallele: in Kabale und Othello stehen die kleinen Mädchen den jeweiligen Männern barfuß auf deren beschuhten Füßen und lassen sich von ihnen „hinwegschreiten“). Geben diese Frauengestalten denn nichts anderes her?
Und eine weitere, auf andere Weise höchst nervige Parallelerscheinung: die mp3-isierung des Theaters – will sagen, die Dauerbelästigung durch „Musik“. Sowohl in der Düsseldorfer Kabale, als auch hier in Othello (und ich vermute, in vielen weiteren Inszenierungen) begleiten Jünglinge unter mehr oder weniger dekorativem, immer enthusiastischem Einsatz ihres Langhaarschopfes mit Tönen das Geschehen, und zwar fast pausenlos. Diese unmotivierte Dauerberieselung auf der Bühne lenkt zu Beginn ab, langweilt ziemlich schnell und nervt vor allem; was sie nicht oder doch nur in ein, zwei Momenten leistet: zum Ausdruck beizutragen. Ist das denn gerade der neueste Regie-Schrei? Der einzige Unterschied zwischen den Abenden an den verschiedenen Häusern: einmal bearbeiten die Jünglinge die Gitarre, einmal den Flügel. Traut man dem Wort nicht, dass alles zu meist nichtssagenden, mal banal-poppigen, mal pseudo-avantgardistischen Parallel-Singspielchen geraten muss? Ohne wäre besser - oder zumindest in sehr viel genauerer Dosierung!
Dennoch: Danke für einen bestürzenden Othello-Abend!
Veronika Schlör, 15.09.09
Nichts davon heute Abend. Aber was lässt sich auch von vermeintlichen „Übersetzern“ erwarten, die lieber Science Fiction oder Groschenkrimis lesen als Kafka und Thomas Mann. Nur bedauerlich, dass eine renommierte Bühne wie das Thalia auf derartigen Budenzauber hereinfällt. Peinlich!
_ Heimann, 18.11.09
ich bin begeistert von dem abend, schöne musikalität in der sprache- die übersetzung in kombination mit den spieler ist ein großer gewinn für das ohnehin große stück. spannend, wie etwas wie vermeintliche "alltagssprache" so leicht und ungekünstelt, so kunstvoll wird. darum wird dieser abend wohl seit jahren weltweit umjubelt- und anscheinend auch gehasst. schön, dass ich es sehen konnte. das ist doch idealer weise theater, wenns auch im publikum lebt und zankt...
frau mentrup, 20.11.09
Thomas Weidemann, 13.01.10
Ich verstehe die Aufregung nicht. Shakespeares Sprache ist Musik und das hier nur Dreck? Brahms ist Musik und Jazz ist doch nur…
Es geht um Kunst und da gibt es kein „das ist schlecht“ oder „so gehört sich das“. Wie kann man sich nur so ein generelles Urteil erlauben?
Die Inszenierung hat mir äußert gut gefallen. Auch wenn das Spiel von Frau Jentsch in meinen Augen etwas blass erscheint, war der Rest für mich umso eindrucksvoller und das liegt auch gerade an dem Pianisten.
Vielen Dank für diesen tollen Abend!
Frank Bergmann, 23.01.10
Und nun zum gesprochenen Wort. Auch hier ein unglaubliches Defizit an Kultur. Entweder wurde geschrieen oder genuschelt. Die Minuten, in denen mal ein Hauch von akzentuierter Sprache zu hören war, kann man an zehn Fingern abzählen. Es war ein grausamer Abend!
Der einzige Lichtblick war die Musik, die doch recht einfühlsam den Gang der Handlung begleitete.
Dietrich Seeliger, Escheburg 23.1.2010, 23.01.10
Martin Zimmer, 24.02.10
Ein toller Abend...
Caroline Ritter, 24.02.10
aus dem Gästebuch, 24.02.10
Thies Jessen, 26.02.10