Von Sophokles
Nach Hölderlin von Heiner Müller
Ödipus ist der Fremde. Er ist der Ausgestoßene, der als Kind in der Wildnis ausgesetzt werden sollte, aus Mitleid gerettet, über seine Herkunft getäuscht wurde und der nicht nur äußerlich durch die Verletzung am Fuß stigmatisiert ist, sondern auch durch den Spruch des Orakels, der ihn zum Mörder macht. Er entschließt sich, seinem Schicksal zu entfliehen. Doch jeder Schritt, von dem er glaubt, dass er ihn entfernt, bringt ihn nur näher an die Vorsehung heran und schleudert ihn gleichermaßen aus der Welt der Menschen. Ödipus ist der Rätsellöser. Er hat Theben von der mörderischen Sphinx erlöst, in dem er in ihrem Rätsel den Menschen erkannte und nun will er die Stadt, in der die Pest wütet, erneut retten. Ödipus ist zugleich der fanatische Wahrheitssucher. Indem er eine rücksichtslose Aufdeckung der mörderischen Tat am König Laios, seinem Vorgänger, verfolgt, wird er von seinem eigenen Werk vernichtet. Er will handelnd er selbst sein und muss erfahren, dass das unmöglich ist. Er ist Detektiv und Gesuchter, Richter und Täter in einer Person. Als er erkennt, dass er der Mörder seines Vaters ist und mit der eigenen Mutter Kinder gezeugt hat, muss er nicht nur die entblößenden Blicke der anderen ertragen, sondern auch die intime Selbsterkenntnis der eigenen Schuld. Als Souverän der Polis muss er erleben, dass das Gesetz, das er verkörpert, ebenso wenig real gewesen ist wie das Bild, das er von sich selbst hatte. Als Mensch erfährt er, dass er an sich selbst gefesselt ist und sich selbst nicht zu entkommen vermag. Und dass auf der Lebensgeschichte eines jeden lastet, was er getan hat, und nicht nur das, was er absichtlich getan hat. So blendet sich der, der als Sehender blind war, am Ende selbst.
Premiere Thalia am 4. Dezember 2009







Hoffnungsfroh auf kreativere Inszenierungen
Felix Heckhausen
Gerd Möller-Brix
Felix Heckhausen, 05.12.09
Christian Hansen
Christian Hansen, 06.12.09
Erfreulich und beeindruckend ist insbesondere der Auftritt von Karin Neuhäuser. Ein wirklicher Gewinn. Bernd Grawerts Spiel war mir oft zu eintönig.
Es grüßt Sie
P.T.
Peter Theele, 31.12.09
ich verstehe gar nicht die Enttäuschung meiner Vorschreiber. So konzentriert habe ich selten Theater erfahren. Für mich ist Theater ein Ort, der mir den Luxus erlaubt, mich besonders gespannt konzentrieren zu können. Das ist beim Ödipus von Herrn Gottscheff sehr gelungen. Wie der Chor das Geschehene kommentiert, und gleichzeitig zum Rudel von Wölfen wird. Und die Farben und das Licht! Und wie man den Text am Ende ganz neu hört, ganz pur. Und diese Schauspieler!!! Ich glaube das findet sich woanders auf der Welt nur selten. Und da nehme ich ein paar kleine etwas schwierige Passagen gerne in Kauf. Ist ja auch ein komplizierter Text. Danke!
Florian Maslow, 04.01.10
Rita B. Johannsen
Rita Johannsen, 04.01.10
Verstärkt wurde dieser Mist durch Herr Grawert, der den Eindruck machte, dass er den Chor auch Mist findet.
Toren Sath, 02.02.10
Ekhard Ninnemann, 13.02.10
Anm. d. Red: Lieber Herr Galler und auch alle anderen Teilnehmer an der Diskussion, wir freuen uns, dass Sie hier im Internet das Forum nutzen. Für eine Diskussion wäre es hilfreich, die Gründe für Ihre Ablehnung der Inszenierung zu erfahren. Wie sie bei den Kommentaren hier sehen können, ist die Inszenierung durchaus umstritten mit Ausschlägen ins Positive wie ins Negative. Wir sind wirklich interessiert an der Diskussion und hoffen auf viele weitere konstruktive Beiträge.
Peter Galler, 13.02.10
Franziska S., 15.02.10