Ein Projekt von Stefan Pucher
Ein Realitätstransformator auf Dauerstrom. Hans Christian Andersen war ein Phantast. In seinen Werken, seinen Märchen zumal, wie im Leben. Ein Traumtänzer, der die Welt nicht hinnimmt, wie sie ist. Und das nicht erst mit 14 Jahren, als er seinem Heimatort Odense den Rücken kehrt und allein nach Kopenhagen zieht, um berühmt zu werden.
Leben und Kunst, das ist bei Andersen nicht zu trennen. Er schuf sich seine eigene Wirklichkeit. Nicht gleich lässt sie sich nach Belieben modellieren, sie stößt ihn ab, als er versucht, ans Theater zu kommen, als er vorsingt, vor spielt, vortanzt, auch erste Stücke schreibt. Was ihn zu Tränen rührt, wenn er es vorträgt, erscheint der Welt grotesk. Später aber, als ihn Könige empfangen, wird ein Star zu sein zur selbstverständlichen Attitüde seines Lebens. Sein Selbstbewusstsein ist demonstrativ, seine Extravaganz pathetisch. Und eben deretwegen wird ihm die Welt nie wirklich nahe kommen können. Sein Raum in ihr ist begrenzt, das Geltungsbedürfnis seines Egos dagegen grenzenlos. Deshalb braucht er die Literatur. Eine Gemeinschaft der Exzentriker, eine Warholsche Factory vielleicht, ist zu der Zeit noch nicht in Sicht. In Beziehung zu den Menschen tritt er, wenn er ihnen vorliest. Das Mitgefühl derer, die verzaubert zuhörten, ihre Anerkennung, galt dann ihm – er war nicht allein. Denn das war er tatsächlich, einsam. Während die anderen lebten, schuf er. Er wiederum lebte, wenn er schuf, auch sich erschuf. Stefan Pucher und sein Musiker Carsten „Erobique“ Meyer (u.a. „Studio Braun“ und „International Pony“) stellen sich Andersen im Michael-Jackson-haften Neverland seiner Phantasie vor; ein Künstler zwischen den Welten. Was er geschaffen hat, umgibt ihn, seine Märchenfiguren, sein Schatten, der lebt, was er nicht lebt, liebt, wonach er sich sehnt. Stets kehrt er zu ihm zurück, es ist ja der eigene. Was aber, wenn er es, wie in seinem Märchen „Der Schatten“, einmal nicht täte? Was wenn seine Kunst ihn nicht befreit, sondern ihn ums Leben bringt? Oder muss es nicht so sein: dass der Künstler stirbt, sein Schatten aber lebt? Und – wer war noch mal wer?
Uraufführung am 6. März im Thalia Theater









Andreas Vietz, 07.03.10
Elske Brault, 07.03.10
Matthias Wagner, 08.03.10
gestrigen Abends, von der Professionalität der Schauspieler/innen, der Grossartigleit des Bühnenbildes, das mich in die Murnauzeit versetzte :) mitsamt dem Lichtkunstwerk, das mich , wie in einen ständigen Sog, in die Welt der Phantasten hat schweben lassen.
Dazu die grossartigen Videoprojektionen, die die Realitäten meiner Umwelt widerspiegelten, mich an Hitchcocks "Fenster zum Hof" :)) erinnerten! Die Lebensweisheiten, die so einfach und unprätentiös, so wunderbar humorvoll, so galant in Wort und Sprache verpackt (Karin Neuhäuser :))))) und endlich mal in angemessenen Tönen auf die Reise in diverse Welten mitnahm..
Vielen Dank an die Beteiligten, dafür, daß ich seit gestern noch viel mehr und wieder daran glauben kann, daß es dieses Theater doch noch gibt, was mich als Zuschauerin und Schauspielerin interessiert. Danke auch, daß ich 2 Stunden wie ein Kind staunen und erfahren durfte. Wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und Mut zum Anderssensein ;)
Aus einem Zuschauerbrief, 09.03.10
Christiane Vogel, 11.03.10
Paul Knopke, 13.03.10
Peter Maier, 15.03.10