In einem Interview im Hamburger Abendblatt hat der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschafsInstitut (HWWI) Thomas Straubhaar die Abschaffung der Subventionen für das Theater gefordert. Joachim Lux, der Intendant des Thalia Theaters, hat an gleicher Stelle geantwortet. Auf der Internetseite des Thalia Theaters dokumentieren wir die fortlaufende Debatte.

Staatliche Kulturförderung?

Die Debatte auf der Thalia Website geht weiter. Bürgermeister Ole von Beust nimmt Stellung

Bürgermeister Ole von Beust hielt zur Eröffnung des Hamburger Theater Festivals – einer komplett privat finanzierten Unternehmung – im Thalia Theater ein Plädoyer für die Unverzichtbarkeit staatlicher ( Subvention ) Finanzierung von Kultur und Theater und reagierte damit auch auf den Vorschlag des Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Straubhaar, der im Hamburger Abendblatt die Abschaffung der Subvention und die Einführung eines Gutschein-Systems gefordert hatte: „Ein kreativer Vorschlag, aber davon halte ich nichts.“ Zuvor hatte schon Thalia-Intendant Joachim Lux die Vorschläge von Straubhaar abgelehnt und ihn im Gegenzug ins Thalia-Theater eingeladen.

Bürgermeister Ole von Beusts Stellungnahme ist umso bemerkenswerter, als dieses Bekenntnis zur staatlichen Kulturförderung in Zeiten fällt, wo jeder Kommunalpolitiker eigentlich froh sein könnte, wenn der städtische Etat durch kreative Vorschläge entlastet wird.

Der Vorschlag von Thomas Straubhaar ist übrigens keineswegs neu. Bruno S. Frey, Professor am Institut für Empirische Wirtschaftsforschung in Zürich, entwickelte das Gedankenspiel um alternative Formen von Kunstförderung bereits 1985: „…Über die Abgabe von Gutscheinen, die zur Inanspruchnahme der als förderungswürdig angesehenen Kunst- und Kulturgüter berechtigen (oder sie verbilligen), werden die potentiellen Konsumenten in die Lage versetzt, frei nach ihren Präferenzen vermehrt kulturelle Güter nachzufragen. Werden die Kulturinstitutionen massgebend für jene Güter und Dienste bezahlt, welche die Gutscheininhaber tatsächlich in Anspruch nehmen (im Gegensatz zu nachfrageunabhängig gewährten Subventionen), dann werden sie veranlasst, ihr Angebot stärker nach den Wünschen der Kulturkonsumenten auszurichten.“*

In seinem Klassiker der Kunstökonomie MUSEN & MÄRKTE ist im Kapitel "Staatliche Kunstförderung" das Modell vom Gutschein (oder Voucher) abschließend durchgespielt.** Dieser wirtschaftsliberale Ansatz von Kunstförderung hat sich bisher nirgends durchgesetzt.

*Frey, Bruno S.: Pommerehne, Werner W.: „Kunst: Was sagt der Ökonom dazu?“ Swiss Journal of Economics and Statistics. Swiss Society of Economics and Statistics. Vol. 121 (Juni II 1985) 156
**Frey, Bruno S.: Pommerehne, Werner W.: "Musen und Märkte. Ansätze einer Ökonomik Kunst", München 1993, S. 207-212



Redaktion

13. Oktober 2009 / 17:45 Uhr / Alle, Debatte

 
 
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