Als Lessing 1767/1768 am Deutschen Nationaltheater in Hamburg angestellt war, verfasste er die „Hamburgische Dramaturgie“, eine kritische Auseinandersetzung mit dort aufgeführten Stücken und Dramentheorie. Auch die Lessingtage werden ständig kritisch begleitet - nicht mehr auf Papier gedruckt, sondern in Form eines Blogs hier auf der Seite, geführt von fünf Studierenden aus dem Masterstudiengang Journalismus der Hamburg Media School (www.hamburgmediaschool.com): Nina Draxlbauer, Katharina Finke, Jannis Frech, Katharina Hamberger und Dennis Sand. Immer aktuell und mitten aus dem Geschehen – Lessing 2.0.

Nach jung, kommt alt

Die Sterne auf den Brettern des Thalia. "Bisschen mehr Begeisterung, bitte" oder lieber auch nicht

Wir gucken uns die Sterne an! Die Sterne? Äh. Kommt uns irgendwie bekannt vor, aber wer ist das noch gleich? Sollte es da etwa eine unerhörte Lücke in unserer musikalischen Früh- und Späterziehung gegeben haben? Und auch noch aus Hamburg? Erste Schamgefühle machen sich breit.

Also los, hin zum Alstertor. Schneller Einlass. Das Publikum ist auch größtenteils schon da, es geht direkt auf die Bühne. Die Bühne! Wir stehen auf den Brettern des Thalia! Das ist mal ne Location! Also gut. Die Bühne auf der Bühne wartet auf die Band, das Publikum und wir auch. In der Ecke ist eine kleine Bar, die Leute stehen Schlange. Mann, ist der Raum hoch! Und die ganzen Lampen und Vorhänge und Seile und so. Wo bleibt denn jetzt die Band? Wir sind schließlich im Theater, da fängt man pünktlich an! Na gut, gucken wir uns doch erstmal das Publikum an.

Der Altersdurchschnitt im Publikum ist auffällig hoch. Schätzungsweise so 35. Ok, hoch ist relativ, aber mal eben so zehn Jahre älter als wir. Vielleicht verhalten sie sich deswegen so brav. Nur ganz vorne, ummittelbar vor der Bühne, hüpfen ein paar Groupies, wild auf und ab, lassen ihre Köpfe und Haare kreisen und singen mit. Dahinter steht das Publikum in Reih und Glied. „Deine Pläne stehen“ dröhnt durch die Lautsprecher. Ein Satz der perfekt zum Publikum passt. Denn viel Bewegung ist hier nicht... Einige wippen hin und her, mal wird mitgesungen, getanzt wird selten.

Der Bassist muntert das Publikum auf: „Zeigt doch mal mehr, dass es euch gefällt!“ Dagegen protestiert der Sänger Frank Spilker vehement: „Ich wäre auch ein bisschen verkrampft, wenn ich hier das erste mal auf der Bühne stehen würde!“ Denn die meisten im Publikum seien ja schließlich keine Schauspieler. Der ein oder andere wünscht sich zur Entspannung nun eine Zigarette. Doch Sänger Frank Spilker weist freundlich darauf hin, dass es an der Seite Schnaps gäbe, Zigaretten ja normalerweise hier erlaubt seien, aber jetzt auf Rücksicht auf seine Stimme nicht und zum „Stichwort Suchtverlagerung: Afterparty in der Zentrale“. Es riecht nach Bier, Schnaps und Schweiß. Die Sterne singen "Ich bin nicht sauber, ich muss mich waschen".

Nun ein Song für die Pärchen im Publikum: „Gib mir die Kraft“, ist einer der älteren Hits der Sterne. Sie spielen aber auch Songs von ihrem neuem Album „24/7“, das im April veröffentlicht wird.

So. Das sind also die Sterne. Haben ja einen ganz netten Beat. Und das altrosa Shirt vom Schlagzeuger mit Augenringen bis zum Boden, ist der Hammer! Der Sänger ist ganz schön groß. Es sieht immer ein bisschen so aus, als beuge er sich mühsam zum Mikrofon hinunter. Die Musik? Kann man gut anhören, vieles klingt ähnlich, einiges gänzlich anders. Aber sehr authentisch. Sind ja auch alte Hasen da auf der Bühne. Und offensichtlich haben sie auch einige Hits gespielt. Jetzt kennen wir die ja auch. „Fick das System!“ und „Was hat dich bloß so ruiniert?“ Ganz schön derbe Texte, sind ja auch Hamburger Jungs. Sankt Pauli mögen sie übrigens auch.

Heute haben wir uns die Sterne angeguckt! Die Sterne? Na klar: Die Sterne! Kennen wir. Neuerdings. 



Katharina Finke und Jannis Frech

02. Februar 2010 / 14:34 Uhr / Alle, Lessingtageblog

 
 
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