Emilia Galotti

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, forderte Immanuel Kant im 18. Jahrhundert. Brauchen wir das noch? Sind wir nicht aufgeklärt bis zum Erbrechen? Statt im Kampf um Freiheit und Autonomie jenseits der Standesgrenzen, leben wir heute eher abgekapselt, in uns selbst darauf konzentriert, die Erwartungen der Außenwelt so gut wie möglich zu erfüllen. Was also bleibt so vom „sittlichen“ Kern eines Menschen? Wer ist diese Emilia heute, jenseits dessen, was andere in ihr sehen, jenseits der Leidenschaften, die sie auslöst? Kann sie sich behaupten gegen einen Mann, der sie im erotischen Rausch des „anything goes“ für sich beansprucht? Gegen einen Vater, dessen Vorstellungen den Tod als letzte freie Entscheidung erscheinen lassen? Gegen die Intrigen von raffinierten Menschen mit eigenen Interessen?
Premiere am 21. Januar 2012 im Thalia in der Gaußstraße
Regie
Marco Štorman
Bühne
Frauke Löffel
Kostüme
Amit Epstein
Musik
Mart Barczewski
Dramaturgie
Susanne Meister
Darsteller
Marina Galic (Gräfin Orsina)
Franziska Hartmann (Emilia Galotti)
Karin Neuhäuser (Claudia, Mutter von Emilia Galotti)
Thomas Niehaus (Prinz von Guastalla)
Jörg Pohl (Marinelli, Kammerherr)
Alexander Simon (Odoardo, Vater von Emilia Galotti. Conti, ein Maler )
Sebastian Zimmler (Graf Appiani)














Danke
So ein grandioses Theaterstück haben wir lange nicht gesehen. Danke!
Aus dem Gästebuch, 27.05.13
Bravo
Dieses Ensemblle 'rockte die Bühne' ! Bravo, bravo! Kurzweilig unterhaltsam, schräg und so aktuell .... Ein wahre Freude, jeden Charakter zu erleben.
Dagmar Brehmer-Neumann, 03.12.12
Bravo!
Ich bin begeistert von dieser Inszenierung, den Schauspielern, die jede, aber auch jede Gefühlsregung auszuloten verstehen. Großartig! Bravo! Ganz großes Theater! Am Freitag, dem 9.11.2012 war ich dort mit Schülern.
Hanna Pieper, 11.11.12
So machen Klassiker Spaß
Emilia Galotti oder die Welt der Marinellis
So machen Klassiker Spaß. Das Trauerspiel, das zur düsteren Farce mutierte und somit zum Spiegel unserer Zeit wurde. Tausend Dank der Regie und dem Ensemble für diesen gelungenen Theaterabend.
Der politische Anspruch Lessings bleibt erhalten. Auch wenn es nicht mehr um die Kritik der Willkürherrschaft des Adels und die Kritik der Legitimation feudaler Herrschaft geht, so stehen doch der Egoismus des Einzelnen und die Intrige zur Sicherung des eigenen Vorteils im Mittelpunkt des Stückes. Bös ist das Geschehen auf der Bühne und in der slapstickartigen Präsentation ein Zerrspiegel, der das Lachen im Halse erstarren lässt. In allen Personen bis auf Emilia tummeln sich Marinellis, die nur ihr eigenes ICH und ihren Vorteil sehen, für den sie über Leichen gehen. Scheinen ist wichtiger als Sein. Nur Emilia folgt diesem Götzen des Scheins nicht, sie geht am Ende des Stückes.
Ein Theaternarr
Reiner Schmedemann
Reiner Schmedemann, 16.10.12