Draußen vor der Tür

Draußen vor der Tür
von Wolfgang Borchert
Regie Luk Perceval

Die aus dem Afghanistankrieg zurückkehrenden Bundeswehrsoldaten drängen immer stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein. Höchste Zeit. Die Eröffnung des Berliner Traumazentrums für Bundeswehrsoldaten im Jahr 2010 ist dafür nur ein Anzeichen. Über die Generation der Heimkehrer aus einem anderen Krieg schrieb schon 1946 der 26-jährige Hamburger Wolfgang Borchert. Ganz ohne Traumaforschung machte er die Rückkehr des Kriegsheimkehrers Beckmann nach Hamburg als Albtraum erfahrbar. Wie im Fieber wandert er durch die Straßen eines verlorenen Gestern und bleibt doch im Dazwischen stecken: zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Realität. Gepeinigt vom immer gleichen Traum, in dem die Toten schreien und ein schauerliches Konzert auf einem Xylophon aus Menschenknochen gespielt wird, sucht er voll Verzweiflung nach einem Ort, wo all das aufhört. Gibt denn keiner, keiner Antwort?

In Luk Percevals Inszenierung wird dieses Dazwischen zum absurden Zirkus, zum szenischen Konzert, in dem das bisherige Leben in Traumbildern an uns vorbeizieht. Beckmann singt, schreit, flüstert und dichtet sich die Verzweiflung von der Seele. Das Requiem eines Anfängers. Ein Konzert. Felix Knopp ist gleichzeitig Beckmann und Sänger der Band „My Darkest Star“ (seit über vier Jahren erfolgreich mit „A trip along Depeche Mode“), deren Musik ihn auf einen Albtraumtrip schickt. Kein Entkommen. Und über ihm schweben und um ihn herum tanzen die Engel, Menschen mit Down-Syndrom aus den Eisenhans-Theaterprojekten, die zum ersten Mal auf der Thalia Bühne stehen. „Sie sind Anfänger? Ja, mein Bester, so leicht geht die Sache im Leben aber nun doch nicht. Nein, das denken Sie sich doch wohl ein bisschen einfach.“

Premiere am 2. April 2011 im Thalia Theater

Ausgezeichnet mit der „Goldenen Maske“ in der Kategorie „The Best Foreign Production Presented in Russia in 2013“

Bei der Kritikerumfrage von Theaterheute zu den Höhepunkten der Saison 2010/2011 wurden Felix Knopp und Barbara Nüsse für ihre Rollen in "Draußen vor der Tür" als beste Schauspieler genannt. Katrin Brack wurde für das beste Bühnenbild vorgeschlagen.


 
Einladungen:

Festspiele Ludwigshafen
Theater im Pfalzbau
22. November 2011

Lin Zhaohua Theatre Festival 
Beijing People’s Art Theatre
Peking, China

6. und 7. Dezember 2011

Landestheater Niederösterreich
St. Pölten, Österreich
12. und 13. Januar 2012

2. Siegener Biennale
Apollo Theater Siegen
7. April 2012

Waiblingen
13. Dezember 2012

Moskau
Stanislavsky season International Theatre Festival

Mayakovsky Theatre

12. und 13. November 2013

Berlin
Deutsches Theater
25. April 2014

Vorstellungen
Mi,18.03.201520:00 - 21:30 UhrKaufen
Besetzung

Regie
Luk Perceval

Bühne
Katrin Brack

Kostüme
Anja Sohre

Musik
My Darkest Star

Musiker
Martin Dog Kessler
Dirk Ritz
Marco Schmedtje

Dramaturgie
Tarun Kade

Darsteller
Felix Knopp
Peter Maertens
Barbara Nüsse

Mit Darstellern aus den Eisenhans-Theaterprojekten
Nora Fiedler, Josefine Großkinsky, Nikolas Gerlach, Mila-Zoe Meier, Joana Orth, Paul Kai Schröder, Daniel Tietjen, Swatina Wutha

Musikregie Paul Lemp / Stefan Wulff

Videos


Fotos
Beiträge
Pressestimmen zu Draußen vor der Tür
The Man Outside
by Wolfgang Borchert


The German army soldiers returning from the war in Afghanistan are forcing themselves more and more into our social awareness. High time too! The opening of the Berlin Trauma Centre for Federal Army Soldiers in 2010 is just one signal of this phenomenon.
Already in 1946, the 26-year-old Wolfgang Borchert was writing about the generation of veterans of another war. Totally without the benefit of trauma research he made the return of war veteran Beckmann to Hamburg palpable as a nightmare. As in a fever he wanders the streets of a lost yesterday and yet remains stuck in the middle: between life and death, past and present, dream and reality. Tortured by always the same dream in which the dead scream and play a gruesome concert on a xylophone made from human bones, he searches desperately for a place where it all may stop. Will nobody, nobody give answer?
In Luk Perceval's Production, this inbetween-ness becomes an absurd circus, a scenic concert in which spent life passes before us as dreamscapes. Beckmann sings, screams, whispers and rhymes his desperation off  his chest. The requiem of a beginner. A concert. Felix Knopp is simultaneously Beckmann and the singer of the band "My Darkest Star", whose music sends him on a nightmare journey of no escape. And above him soar and around him dance the angels, people with Down-Syndrome from the Eisenhans Theatre Projects who are performing for the first time on the Thalia Theater's Stage. "Are they beginners? Yes my good man, life isn't always as easy as all that. No, you're thinking that a bit too simply."

Premiere April 2nd 2011 at the Thalia Theater

Kommentare

Kein Wunder, dass wir unser Abonemnement weiterverlängern werden!
Auch nach so vielen Jahrzehnten fantastisch auf die Bühne gebracht, so dass man mit einer großen Botschaft nach Hause geht. Kein Wunder, dass wir unser Abonemnement weiterverlängern werden!
Aus dem Gästebuch, 19.06.12

Keep on rocking in a "free world" !
Wer zu spät kommt,den bestraft das Leben.Falsch. Danke für die Vorstellung in Oberhausen. Keep on rocking in a "free world" !
Michael Dopatka, 13.06.12

Grandiose Vorstellung!
Jo Undjuri, 05.06.12

Wie kann man ein sprachloses Kommentar hinterlassen? Mir fehlen die Worte. Wundervoll.
Áus Gästebuch, 15.03.12

Toller Abend - weiter so!
Toller Hauptdarsteller, super Nebendarsteller, umwerfende Musik! Beckmann hat mich so mitgerissen, dass ich weinen musste! total krasse Aufmachung, die krasse Gefühle weckt - sehr gelungen! Toller Abend - weiter so!
Aus Gästebuch, 15.03.12

Mäuse-Einlage bei Draußen vor der Tür
Sehr geehrte Damen und Herren, gestern Abend habe ich die Vorstellung "Draußen vor der Tür" in Ihrem Haupthaus gesehen. Eine phantastische, kraftvolle Vorstellung. Es hat mir wunderbar gefallen. Eine Frage trat jedoch während der Vorstellung bei mir auf, die ich gern an Sie richten möchte: Mitten während der Vorstellung, in einer ruhigen Szene, tippelte seelenruhig, vom linken Rand der Bühne, bis zum rechten Vorhang eine kleine, graue Maus am vorderen Bühnenrand entlang. Zwischendurch hüpfte sie sogar über den Schuh des Haupdarstellers, der vorne am Mikrophon stand. Sie war für ca 10-15 Sekunden der Star der Bühne für viele aufmerksame Zuschauer im Parkett. Nur eine Verbeugung fehlte noch vor dem Abgang ;) Das Ganze wirkte so perfekt und inszeniert, dass ich mich allen Ernstes gefragt habe, ob dies eine Einlage war und man Mäuse so gut dressieren kann. Nun sagte mir eine Feundin, dass man Mäuse nicht so gut abrichten könne - nicht einmal im Mäusezirkus. Ich solle mir meine Idee mit der dressierten Maus aus dem Kopf schlagen. Also bitte ich um Ihre klärende Hilfe: War das eine freie, wilde Maus, die nur mal Theaterluft schnuppern wollte oder das gezähmte Tier des Ensembles? Mit besten Grüßen Christian Veith (Hamburg, St. Georg) P.S. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Ich meine die Anfrage nicht als meckern und es geht mir nicht darum, auf den Kammerjäger aufmerksam zu machen. Auch wenn die Maus unaufgefordert der kleine Star war, habe ich nichts gegen diese kleine Einlage einzuwenden gehabt.
Aus Gästebuch, 29.02.12

Ein hoch aktueller Schrei in die Welt
Gestern am 11.2. sah ich die Vorstellung. Ich war gespannt, ob dasThema "draußen"und " vor der Tür" eine aktuelle Bearbeitung findet, weil "draußen" und "vor der Tür" bezüglich täglicher Nachrichten und Befürchtungen so aktuell ist. Nein. Es war original Borchert und Beckmann, ein unglaublicher Schrei vom Menschen, der sich nicht dem Ort, dem Befehl, der Tataufforderung widersetzen konnte, auch nicht freillig - mit mehr Sold - diesen Horror gewählt hat. Es war ein hoch aktueller Schrei in die Welt, zu realisieren, dass politische Verantwortung jeden Krieg vermeiden muß. Sehr glaubhaft, unglaublich gut mit Einsatz und Können und Passion vorgetragen. Man sollte ganz still gehen, vielleicht allein. Vielen Dank !
horst wietelmann, 12.02.12

Beeindruckend
Beeindruckend, der Beckmann! Und nicht zu laut!
Aus dem Gästebuch, 12.01.12

„Gibt denn keiner Antwort?“ - Frage auch der künftigen Generationen
Kriege und Gewaltausübung begleiten die Erdbewohner seit Menschengedenken; eine der schlimmsten Katastrophen der Menschheitsgeschichte, nämlich der Zweite Weltkrieg, stellt bekanntermaßen den historischen Bezugspunkt in Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ dar. Das „Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“, sollte wohl zunächst einmal aus der Konstellation aller Faktoren, die es determinieren, gedeutet und verstanden werden. Es geht um das Schicksal eines Heimkehrers namens Beckmann aus der Hölle des Zweiten Weltkrieges und damit um eine Thematik, zu welcher die Theaterbesucher heute größtenteils keine unmittelbare Beziehung mehr haben. Diese muss – soweit das überhaupt möglich ist - durch die Inszenierung und schauspielerische Darbietung hergestellt werden, was im vorliegenden Fall mit der Regie von Luk Perceval als durchaus gelungen bezeichnet werden kann. Das von Katrin Brack eingerichtete Bühnenbild mit dem überdimensionalen Spiegel erzeugt eine Atmosphäre, die einer gewissen Ambivalenz nicht entbehrt: Zum einen wird der Zuschauer emotional durch die Unheimlichkeit des Raumvolumens, die Dunkelheit und Leere der Bühne auf eine zerbrochene Welt und die an sie geknüpften Albträume, von denen der Protagonist Beckmann verfolgt wird, eingestimmt. Auch die lautsprechermodulierten Stimmen der Akteure sowie die z.T. phonstarke Musik der Band mit dem Namen „My Darkest Star“ lassen Düsternis, Schwere, den Abgrund zwischen Leben und Tod spürbar werden. Auf der anderen Seite bringt sich mit dem genannten Requisit des Spiegels ein rationales Moment, ein Element der Verfremdung als Reminiszenz an Brecht, so möchte man sagen, zur Geltung, stellt sich dem Zuschauer doch gleich die Frage nach dem „Warum“. Die Antworten werden im Verlauf des Stückes durch dessen Dramaturgie selbst in Verbindung mit den hervorragenden schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller Felix Knopp, Barbara Nüsse und Peter Maertens gegeben. Es geht um Rück- und Widerspiegelung, auch um die Reflexionen des Publikums, es geht zudem – und dieser Gedanke ließe sich an die sach- und zeitbezogene Interpretation des Stückes anschließen, er wird zudem durch die Inszenierung nahegelegt - um die im Spiegel von Vergangenheit und Geschichte zu deutenden Entwicklungen, Irrwege, Krisen und Abgründe der Gegenwart. Insofern stößt die Inszenierung rezeptionsästhetische Transformationsprozesse an – wenn das einmal so hochtrabend ausgedrückt werden darf -, auf die in manchen Kommentaren zum vorliegenden Theaterstück auch zumeist implizit hingewiesen wird. Und was soll das heißen? Die aus dem Afghanistan-Krieg zurückkehrenden Soldaten wie überhaupt Kriegsheimkehrer auf allen Kontinenten der Erde dürften ähnliche traumatische Erfahrungen wie Beckmann gemacht haben, stehen vor den Trümmern einer in Aufruhr geratenen Welt, in der Regel mit allen persönlichen Konsequenzen, wie sie auch Beckmann spüren muss. Beschädigung, Spaltung, gar Verlust von Identität sind die Folgen, sind bleibende Spuren menschlicher Verblendung, ja menschlichen Wahnsinns, der in Gewalt, Krieg und Zerstörung seinen Ausdruck findet. Insofern ist die Frage „Gibt denn keiner Antwort?“ nicht nur Frage einer ganzen Generation, wie gelegentlich gesagt wird, d.h. Frage der Zeitgenossen Beckmanns. Vielmehr handelt es sich hier auch um eine Suchbewegung, die transzendiert, die verallgemeinerungsfähig ist. „Gibt denn keiner Antwort?“ wird ebenfalls Frage künftiger Generationen sein, wobei Not und Elend nicht nur aus Kriegsgeschehen, sondern auch – sofern nicht hinreichend Prävention geschaffen wird - aus Unglücken, Terror und Umweltkatastrophen resultieren werden. In einer Gesellschaft, wie sie in Wohlstandsgebieten heute vorherrscht und die die Aufmerksamkeit ihrer Mitglieder in erster Linie auf Konsum und Ökonomie lenkt, dürften die durch den Duktus des vorliegenden Dramas insgesamt aufgeworfenen Fragen längst nicht allen Bürgern auf den Nägeln brennen. Gleichwohl: Hier zu einem entsprechenden Bewusstsein für die aus Krieg und Zerstörung resultierenden Erschütterungen des Menschen beigetragen zu haben, sollte als bleibende Leistung sowohl des Stückes wie auch der Inszenierung von Luk Perceval besonders hervorgehoben werden. Der Beifall des Publikums für die Aufführung, insbesondere für das schauspielerische Engagement, nicht zuletzt auch für die Eisenhans-Darsteller, war groß, und dies zu Recht! Michael Pleister, d. 6. Januar 2012
Michael Pleister, Dr., 07.01.12

Großartig
Dieser Abend hat mich für Vieles in der Vergangenheit entschädigt. Auch mit der "lauten"? Musik!
Aus dem Gästebuch, 24.10.11

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