Die Räuber

„Ein allerliebstes köstliches Kind, dessen ewiges Studium es ist, keinen Vater zu haben.“

Karl und Franz sind Brüder. Franz, der jüngere, hasst Karl. Er neidet ihm das Erbe, das dem Erstgeborenen zusteht, neidet ihm die Liebe des Vaters, die alles verzeiht. Auch, dass Karl in seinem Studienort über die Strenge schlägt, er die Menschen für ihre Schwächen und Verfehlungen verachtet. Franz, der alles entbehrt, will Herr sein. Das „Böse“ zu wollen heißt sich Karls Welt gewaltsam anzueignen. Und es gelingt ihm, das Band zwischen dem Vater und Karl zu zerschneiden. Der alte Moor droht darüber zu sterben – Karl wird zum Räuber. Anders als Franz aber erstrebt Karl jetzt das „Gute“: Mit aller Kraft will er diejenigen bekämpfen, die ihn willkürlich, voller Kälte schutzlos gemacht haben. Ohne dass er es von vornherein weiß: sein Feind ist Franz, seine Verheißung, das „Franzische“ aus der Welt zu vertreiben.

Nicolas Stemann hat sich den ‚Räubern’ als einem Drama der schmerzhaften Identitätssuche genähert. Denn die Fragen „Wer will, wer muss ich sein?“, fundamentaler noch: „Wer bin ich?“ sind Fragen, die Franz wie Karl betreffen. Ihre gemeinsame Wurzel ist schließlich, ohne Vater zu sein. Ihr verzweifeltes Sehnen nach Zugehörigkeit, einem Projekt, einer Identität treibt sie ins Extrem, im Begehren, sich einer teilnahmslosen, ihnen alles vorenthaltenen Welt als Stempel aufzudrücken.

Premiere bei den Salzburger Festspielen am 15. August 2008

Premiere am Thalia Theater am 11. Oktober 2008


Einladungen:

Berliner Theatertreffen
Mai 2009

Schillertage Mannheim
Juni 2009

Stadttheater Bozen
November 2009

Theater Winterthur
Dezember 2009

Theater Duisburg
Januar 2010

Veranstaltungsforum Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck
9. Februar 2011

Ruhrfestspiele Recklinghausen 
17., 18. und 19. Mai 2011

Vorstellungen
Mo,02.06.201420:00 - 22:40 UhrKaufen
Besetzung
Fotos
Pressestimmen zu Die Räuber
 
Kommentare

Schiller hätte es gefallen
Ich wette, Schiller hätte befriedigt gegrinst. :-D
Aus dem Gästebuch, 04.03.13

Das ist nicht Schillers "Die Räuber"
Das ist nicht Schillers "Die Räuber" und auch keine dichterische Freiheit, sondern die Vergewaltigung eines Klassikers!
Aus dem Gästebuch, 04.03.13

Anstrengend
Ich lasse mich gern berühren. Dann ist Theater toll.
Iich bin mittendrin im Erleben und fühle mich lebendig. Die Räuber haben mich nicht berührt. Ich saß angestrengt auf meinem Platz. Es war anstrengend zuzuhören, anstrengend zu verstehen.
Das lag an den gleichzeitig sprechenden Männern. Vier Männer, die die Rollen mit der Kleidung wechseln und alles gleichzeitig sprechen. Und das während der ganzen zweieinhalb Stunden. Warum lieber Herr Regisseur haben sie zu diesem Sujet gegriffen. Was soll es aussagen?


Stina St., 01.03.13

Chorale Elemente
Wir haben die Räuber am 28.02.2012 sehen dürfen.
Kurz dazu: Chorale Elemente werden geradezu inflationär eingesetz. Es langweilt sehr!
Matthias Heise, 01.03.13

Der Abend war biographisch wichtig
Der Abend war biographisch wichtig, ich hatte entschieden, meinen fast 15 Jährigen in die Erwachsenentheaterwelt einzuführen, da kam das Klassiker-Abo genau richtig, und ich bin überglücklich, dass ich ihm eine so großartige Inszenierung bieten konnte! Ich hatte inständig gehofft, dass der Abend irgendwie an meinen eigenen Initiationstheaterabend an der Schaubühne heranreichen könnte: Prinz Friedrich von Homburg unter Stein mit Bruno Ganz. Das hat mich den Rest meines Theaterlebens geprägt.
Der einführende Sprecher hatte uns ganz umsonst gewarnt: wir konnten wunderbar der Auffächerung in verschiedene Personen folgen und genau das war ja das Großartige und geht natürlich nur mit solch virtuosen Schauspielern, wie ihr sie am Thalia habt -- ich bin seit langem bekennender Alexander Simon Fan --. Die vielstimmigen Selbstgespräche, die ein Pubertierender immer bewusster erfährt, körperlich ausagiert zu sehen, in einer vierkörprigen Person, denn nach ein paar Minuten kam schon der Punkt, wo nicht mehr vier Schauspieler eine Rolle sich aufteilten, sondern eine Person mit sich haderte, höhnte, zürnte, zweifelte und ratlos war, sich anspornte, und sich dabei knuffte, in den Weg stellte, vor sich weglief, das hat nicht nur den Schillerschen Endlosmonologen gut getan und sie in einen Rhythmus gebracht, der sie verstehbarer macht, sondern ist das, wozu Theater da sein kann.

Aus dem Gästebuch, 12.11.12

Fantastische Räuber!
Fantastische Räuber. Theater mit Herzblut und Leidenschaft. Felix Knopp, bleiben Sie dem Thalia treu!
Aus Gästebuch, 04.06.12

Interessante Interpretation
Nicolas Stemann interpretiert Schillers „Räuber”, vor allem dessen Ende auf eine interessante Art und Weise. Eine genaue Lektüre der „Räuber”, die Kenntnis Schillers Wesens, sowie seinen politischen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen sprechen gegen Stemanns Thesen. Stemann bezieht Schiller zu sehr auf die Gegenwart, fühlt sich nicht in Schillers historischen Hintergrund ein, interpretiert ihn zu subjektiv und versucht seine eigenen Gedanken über Freiheit im Drama wieder zu finden. Wenn er sagt Schiller lasse „(s)einen Traum von Freiheit …an die Wand krachen”, behauptet er folgerichtig, dass Schillers Traum von Freiheit entweder der materialistischen Freiheit Franz Moors oder der gesetzeslosen „Räuber-Freiheit” Karls entspricht. Beides ist eindeutig zu widerlegen. Dass Schiller nicht mit Franz sympathisiert, ist einerseits deutlich an der Figur zur erkennen und andererseits daran zu sehen, dass Schiller Idealist war und Franz Materialist ist. Für Schiller kommt eine Freiheit, wie Karl sie bei den Räubern findet, nicht in Frage. Schiller verabscheut Rauben und Morden. Er schrieb, dass Karl, als er „an der Spitze einer Mordbrennerbande stand, Gräuel auf Gräuel häufte (und) von Abgrund zu Abgrund stürzte […]” (Der Verfasser an das Publikum; F. Schiller; Z.:5-7). Karl findet am Schluss die wahre (moralische und innere) Freiheit, die falsche (äußere) Freiheit „kracht an die Wand”, da sie als falsch entlarvt wird. Aus den Fehlern der äußeren und der Erfahrung seiner eigenen Gräueltaten findet Karl seine innere moralische Freiheit. Er scheitert nicht, sondern wächst. Er siegt über seine eigenen Laster (siehe „Der Verfasser an das Publikum”; F. Schiller; Z.1-10). Was zeigt uns das? Karl Moor wird auf Grund seiner verletzten Vaterliebe zum Räuberhauptmann. Er mordet und raubt. Jedoch am Ende lässt er sich für die besagten Gräueltaten an die Justiz ausliefern. Denn erst dann wird er sich seiner Fehler wahrlich bewusst und übernimmt die Verantwortung für diese. Er handelt frei, das heißt er tut das, was er für gut, moralisch richtig oder tugendhaft hält. Nach seinem verzweifelten Suchen und Kämpfen nach Freiheit, findet er sie in sich selbst. Er ist sein eigener Herr, er entscheidet für sich was richtig ist und er kann frei sein, wenn er sich dazu entscheidet. Man kann sich immer frei für das Richtige entscheiden. Was man auch immer Lasterhaftes getan haben sollte, man hat die innere, moralische Freiheit sich für das Gute zu entscheiden.
Leo Wilhelm, 15.06.11

Es stürmt und drängt und WILL
Komme gerade - am sehr späten Abend - von der "Räuber"-Aufführung bei den Ruhrfestspielen RE 2011. Ich bedaure sehr, dass das anschließende Publikumsgespräch nur eine halbe Stunde gedauert hat, obwohl ich es aus der Sicht der Schauspieler (total erschöpft / total "aufgedreht" vermutlich! ?) schon verstehen kann. Mich hat diese Inszenierung sehr WACH gemacht, - es gibt in ihr so unendlich viele Regie-Einfälle wahrzunehmen ... und soooo viele Akzente des Spielens !!! Diese Aufführung bietet eine ganz eigenartige KRAFT und FÜLLE und ENERGIE, so viele Assoziationsmöglichkeiten der Hintergrundbilder, der Sounds, der schnellen Wechsel von Gesten und Räubermützen und Wortbetonungen - sie macht nicht nur die Schauspieler zeitweise atemlos, sondern auch den Zuschauer ... mich zumindestens !!!! Es stürmt und drängt und WILL und vermag nicht... - alle, alle SCHEITERN ! Aber warum auch immer Schiller so gnadenlos mit seinen Figuren umgeht - dazu sind ja superkluge Abhandlungen geschrieben worden! - ... er gibt seinen Protagonisten die hellsichtigsten Selbst-Erkenntnisse vorab ... und das alles in der schillertypischen, kaum nachzuahmenden SPRACHE, die fasziniert durch ihre Mischung von vollständiger Gedankenklarheit und Bilddichte, ... - sorry, - eine Schiller-"Fanin" spricht hier !!! Aber ich bin eben auch - mal wieder ! - total inspiriert durch Ihre Inszenierung!!! An der fand ich eigentlich nur den EINSTIEG etwas problematisch, weil er den text-und handlungs-UN ( ! ) -kundigen Zuschauer durch die - zweifellos überzeugende IDEE der Rollenaufteilung! - mehr irritiert als EINFÜHRT, glaube ich . Vielleicht zwei, drei Szenenentwürfe SPÄTER mit dem "Aufteilen" anfangen ... - und zunächst etwas moderater/konventioneller !??? Wäre mein, natürlich völlig unmaßgeblicher Vorschlag gewesen ... . Die große KRAFT von Schillers Sprache und überbordenden Anliegen haben die 4 Schauspieler, die die Franz-und Karl-Facetten und alle Typen der Räuberbande gleichzeitig gespielt haben, für mich mit einer ungeheuren Vielfalt der Körpersprache und einem ebenso ungeheuren Tempo vermittelt !!! ( U.a. beste Schauspielkunst im Kleinen, wenn der nervös-ungeduldig-verächtliche Spiegelberg mit einem der stammelnden Räuber konfrontiert ist ,der ihm eigentlich Wichtiges nahelegen will, dessen leichte "Unterbelichtung" sich aber bereits in der schief über den Augen hängenden Mütze zeigt ...- !) Was ich auch sehr interessant fand, war das Auftreten des alten Moor und in gewisser Weise auch der Amalia in weiten Strecken als "Schiller pur", mit wenig Verfremdung und entsprechender Kostümierung, - WARUM diese (Regie-)Entscheidung, hätte ich z.B. noch gerne gefragt vorhin, mochte aber nicht mehr , als/da das Ende des Publikumsgesprächs eingeläutet wurde . Beide Figuren fand ich für mich sehr glaubhaft gespielt ... - und zwar im Schillerschen Sinne U N D im Sinne dieser Aufführung. Maximilian Moor hat es geschafft - und zwar durchgängig - NICHT weinerlich und NICHT lächerlich zu wirken, was sicher eine Gefahr dieser Rolle ist, oder !?? Und Amalia war in ihrer Verkörperung durch die im Gespräch noch mal - mit Recht ! - extra gelobte Schauspielerin auch eben NICHT die jahrzehntelang irrational Schmachtende, sondern präsent, geschmeidig, einfühlsam ... und absolut überzeugend in ihrer Art der Zurückweisungen von Franz! Um nun auch endlich zum SCHLUSS zu kommen (von dieser ellenlangen Kommentar-Mail und vom Stück): Als ich meine Begleitung verabschieden ging nach dem Schluss-Applaus fehlte mir eigentlich irgendetwas vom Schiller-Ende des Stücks, - ich war gespannt gewesen auf IHRE Version !!! Als ich zum Publikumsgespräch wiederkam, bzw. im Verlaufe des Gesprächs wurde mir bewusst, dass das Streichen des einsichtigen Gutmenschen Karl, den Köhler beglückend, völlig zu Ihrer Inszenierung passt. SO, wie Karl am Schluss abgeht - wieder mit ganz leichten Spielvarianten der Schauspieler , aber mit einer Botschaft an Amalia und das Publikum! - .... SO passt es : Er ist tod-ernst, wie unter Schock, aber auch abwesend, leer .... jedenfalls : OHNE LÖSUNG für all`das Widerfahrene, ... GEZEIGTE !!! ( Ist es vielleicht doch nicht ganz von ungefähr, dass BRECHT sich mit Schiller auseinandergesetzt hat !!?? ) . Ich hoffe jetzt einfach, dass irgendwann einmal vielleicht eines der Ensemblemitglieder, der Regisseur oder der Dramaturg diesen Kommentar lesen werden ... und nicht gähnend "unterwegs" das Lesen wg. zu großer Ausführlichkeit einstellen . Denn es sollte vor allem eine RÜCKMELDUNG für Sie ALLE am Stück Beteiligten sein, ( von einer, die sehr viel und sehr gerne Theater mit Schülern macht, kleinen und Großen ) .... und meinen DANK ausdrücken für eine großartige, anregende INSZENIERUNG !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Christiane Deesler, 19.05.11

All das Zeug
Ich fand:Die ersten 10 min waren geniales Schauspiel! Konzentration auf Schauspieler und Text. 4 gute Schauspieler können alles erzählen, junge Männer, Alte, Frauen. Stemann und sein Team beweisen, dass man dafür keine Deko braucht, keine Videoprojektionen, keine Live-Band, keine Kostümschau. – Aber dann öffnet sich die Bühne und wir sehen doch all das Zeug, das wir gerade noch so froh waren, einmal entbehren zu können: eine Band, Video, Kostümschinken, etc. Stemann verrät sich selbst!
Peter Maifeld, 01.12.10

Akustischer Stress
Akustischer Stress
Brigitte Ahrens, 27.03.10

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