Vorstellungen am Dienstag, 16. Juli 2013

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Die Brüder Karamasow

von Fjodor M. Dostojewskij

Fjodor Dostojewskis Romane sind vom Denken der Aufklärung in der Tradition Kants und Schillers geprägt. Aber möglicherweise hat der russische Dichter dieses Denken komplett missverstanden.

Wenn das „moralische Gesetz in uns“ für Kant die Freiheit ermöglicht, auch gegen unsere Interessen sittlich zu handeln, radikalisiert Dostojeswki diesen Gedanken, indem erklärt, das Beste sei, überhaupt gegen seine Interessen zu handeln und der größte Nutzen für den Menschen bestehe darin, das Unnütze zu tun, denn nur so könne man beweisen, dass man ein freier Mensch ist und „kein Schräubchen“. Und wenn bei Kant Aufklärung in dem Vermögen wurzelt seinen eigenen Verstand ohne Anleitung anderer zu gebrauchen, treibt Dostojewski diese Idee in den „Dämonen“ bis zum Äußersten: „Wer sich entschließt, sich umzubringen, ist Gott im selben Augenblick.“ Missverständnisse, die es in sich haben. Sie schlugen als solche wieder auf das westliche Denken zurück mit schwerwiegenden Folgen. Nietzsche nannte Dostojewski „den Glücksfall“ seines Lebens. Ohne das gefährliche Denken von Dostojewskis metaphysisch obdachlosen Romanhelden, ihre antirationalen und suicidalen Züge, wäre die Entwicklung zur sogenannten Postmoderne nicht denkbar. Die Brüder Karamasow ist Dostojewskis letzte Roman. Er ist aufgebaut wie ein Krimi. Aber spannender als die Suche nach dem Täter, ist Dostojewskis Kampf gegen die Leere, die der Tod Gottes hinterlassen hat. Iwan Karamsow, einer der Brüder, sagt den entscheidenden berühmten Satz: „Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt.“ Kann man, nachdem Sätze wie dieser einmal gedacht worden sind, ohne Selbstbetrug zurück in den Schoss des Glaubens und der Kirche? Was wäre die Alternative? Dostojewski wollte eine Antwort geben in diesem Roman, und zwar eine christliche, am Ende sind es nur noch mehr Fragen geworden.

Regie Luk Perceval


Premiere am 30. April  2013 im Thalia Theater