Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
„Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist der Abgrund.“ Diese Worte Borcherts begegnen dem Alsterspaziergänger auf einer Gedenktafel für den Dichter und Schriftsteller nahe dem Literaturhaus. Sie erinnern an einen Sohn der Stadt, geboren 1921, der in nur 26 Jahren Leben ein bleibendes literarisches Erbe an Gedichten und Erzählungen hinterlässt. Den zentralen Platz in seinem Werk nimmt jedoch sein Theaterstück „Draußen vor der Tür“ ein, das der damals 26-jährige 1946 nach Rückkehr von der Front verfasst.
„Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“, nennt der mehrfach wegen Kritik am Regime des Nationalsozialismus inhaftierte Wolfgang Borchert sein Stück im Untertitel. Doch schon kurz nach der Niederschrift machen ein Hörspiel des Nordwestdeutschen Rundfunks, gefolgt von der Uraufführung an den Hamburger Kammerspielen den bis dato quasi unbekannten Hamburger Autor berühmt. „Draußen vor der Tür“ wird zum Inbegriff des Aufschreis einer Generation. Diesen Ruhm erlebt Borchert jedoch kaum mehr: Kurz vor der Premiere am 21. November 1947 stirbt er an den Folgen einer aus dem Krieg stammenden Lebererkrankung.