Gólgota Picnic

Gastspiel des Centro Dramático Nacional (Madrid) & Théâtre Garonne (Toulouse)
In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln

In der westlichen Hemisphäre werden Identitätsangebote langsam aufgebraucht – ein Grund für das erneute Erstarken und die Neuinterpretationen religiöser Traditionen. Diese werden, nachdem der Einfluss von Religion auf die politische Sphäre der westlichen Welt langsam eingedämmt war, wieder präsenter. Und so ist die Religionskritik, die in Rodrigo Garcías „Gólgota Picnic“ auf einem Picknickplatz voller aufgetürmter Hamburger – dem Schlachtfeld des Konsums – entworfen wird, von großer Aktualität. Der Argentinier García ist bekannt für seine extrem physische Theatersprache und seine provokanten Insze-nierungen, die in wütenden Texten und Bildern mit der westlichen Zivilisation abrechnen. Hier stellt der Teufel selbst fest, dass er die Menschen weder lehren kann, Städte und ganze Völker auszulöschen, noch kann er ihnen die Techniken für einen Holocaust beibringen – dies haben sie ja bereits selbst getan. Das brutale visuelle Erbe des Christentums, das Generation für Generation weitergegeben wird, steht zur Hinterfragung.
Engel steigen auf und fallen herunter, überall Feuer, Himmel, die sich öffnen.
Wunder, Dämonen, Tote und mittendrin sitzt der Musiker Marino Formenti nackt am Flügel und spielt Haydns „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“. Und spielt und spielt, bis die letzte Note verklungen ist. Angesichts unseres christlich-kulturellen Erbes und der zahlreichen Krisenherde in der Gegenwart stellt García die dialektische Frage nach dem Ursprung allen Übels: Entspringt das Schlechte in der Welt der Religion oder umgekehrt: entstammt die Sehnsucht nach religiösem Halt aus dem Schrecken der Welt?

Konzept und Regie Rodrigo García Kostüme Belen Montoliu Video Ramon Diago Akustischer Raum Marc Romagosa
Ensemble Gonzalo Cunill, Nuria Lloansi, Juan Loriente, Juan Navarro, Jean-Benoît Ugeux Am Klavier Marino Formenti

Eine Koproduktion Festival D’Automne (Paris)

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit dem Ensemble, Maike Schiller (Abendblatt), Joachim Lux (Intendant) und Pater Hermann Breulmann (Rektor der Katholischen Akademie Hamburg) statt.

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