Die Welt im Ich - Das Ich in der Welt

Eine Reise durch Navid Kermanis Roman „Dein Name“ in den Deichtorhallen

„Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen.“

Navid Kermani hat einen über 1200 Seiten langen Roman geschrieben, der „Dein Name“ betitelt ist, also jeden einzelnen Leser direkt anspricht. Namentlich genannt werden in diesem Roman allerdings nur die Toten. Es ist ein Totenbuch über das Leben, es geht buchstäblich „um alles in der Welt“. Das Kleinste, Privateste, Alltägliche und das Größte, öffentlich Transzendente finden im Raum des Romans einträchtig zusammen. Alles ist wichtig in dieser biographischen onto- und phylogenetischen Geschichtengeschichte, alles bezieht sich aufeinander, alles ist verwoben, es folgt keiner andern Systematik als der des Lebens - und das hat keine Systematik. Das Buch erinnert an die „Geschichten aus 1000 und einer Nacht“ und an Faust II, ist aber auch eine Abhandlung über Hölderlin und Jean Paul, ein historischer Abriss iranischer Geschichte, ein Blick hinter die Fassaden des Islam, eine Liebeserklärung an den 1. FC Köln, ein Krankenhausreport aus Deutschland, eine Ehetragödie, ein Reisebericht aus Afghanistan ... Und als Gerüst des Ganzen 29 Nachrufe auf dem Autor nahestehende Personen, die während der Arbeit am Roman gestorben sind.

Zum Auftakt der „Lessingtage“ versuchen nicht weniger als 30 Hamburger Schauspielerinnen und Schauspieler (und auch der Autor selbst), sich dem Roman zu nähern, dazu verteilen sie sich bei verschiedenen Exponaten der „Wunder“-Ausstellung in den Deichtorhallen und fächern Facetten des Romans auf, immer nur für jeweils fünf bis zehn Zuhörer gleichzeitig. Jeder Besucher kann sich so auf einfache Weise einen eigenen Weg durch den Roman und die Ausstellung bahnen.

"Als Scheich Abu SaÌd, einer der berühmtesten Sufis des elften Jahrhunderts, einmal nach Tus kam, strömten in Erwartung seiner Predigt so viele Gläubige ins Derwischkloster, dass kein Platz mehr blieb. "Gott möge es vergeben", rief der
Platzanweiser: "Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen." Da beendete der Scheich die Versammlung, bevor sie begonnen hatte. "Alles, was ich sagen wollte und sämtliche Propheten gesagt haben, hat der Platzanweiser bereits gesagt", gab er zur Erklärung, bevor er sich umwandte und das Derwischkloster verließ: "Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen."
Navid Kermani, "Dein Name",  Seite 902

Mit Alicia Aumüller (Ehe), Katja Danowski (Europa), Marlen Diekhoff (Rom), Bernd Grawert (Köln), Sandra Flubacher (Großvater), Lisa Hagmeister (Samenspende), Ute Hannig (Geburt), Stefan Haschke  (Rolf Dieter Brinkmann), Carl Hegemann (Hölderlin), Hannes Hellmann (Land der Franken), Navid Kermani (Name), Felix Knopp (Frieden), Hanns Jörg Krumpholz (Mystik), Matthias Leja (Lampedusa), Marie Löcker (Märtyrer), Barbara Nüsse (Jean Paul), Josef Ostendorf (Heimito von Doderer), Sebastian Rudolph (Hälfte des Lebens), Erik Schäffler (Siegen), Günter Schaupp (Chomeini), Cathérine Seifert (Seufzerkobold), Oana Solomon (Die Eltern), Wolf-Dietrich Sprenger (Herzzentrum), Rafael Stachowiak (Afghanistan), André Szymanski (Zufall), Oda Thormeyer (Gebet), Victoria Trauttmansdorff (Verzückung), Marina Wandruszka (Die Sterbende), Maria Magdalena Wardzinska (Reaktionen), Samuel Weiss (Filmkunsttheater), Tilo Werner (Rockmusik)

Einrichtung Luk Perceval
Ausstattung Annette Kurz
Produktionsleitung Christina Bellingen
Textfassung Navid Kermani, Carl Hegemann

In Kooperation mit den Deichtorhallen und dem Deutschen Schauspielhaus

Permanenter Einlass 18 bis 22 Uhr
Dauer 18 bis 23 Uhr
Begrenzte Platzzahl. Auch im Einlassbereich Programm.
Vorverkauf nur für 18 Uhr

Eintritt 15 Euro

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