Thalia 2.0: Spring doch!

Thalia 2.0: Spring doch!
Südlich der Elbe ist das Leben nicht dasselbe
Am Dienstag, den 10. Mai ab 20.30 Uhr an mehreren Orten in Wilhelmsburg

Stadt auf die Bühne – Bühne in die Stadt! Eine der zentralen Forderungen, mit denen Joachim Lux vor anderthalb Jahren seine Intendanz am Thalia Theater antrat: 50 Hamburger BürgerInnen sprachen, sangen, rappten und tanzten zur Eröffnung Shakespeares „2BEORNOT2BE“. Einige von ihnen machten anschließend weiter und stellten sich die Frage, wie man die partizipatorischen Prinzipien des Web 2.0 auf das Stadt- Theater der Zukunft anwenden kann. Und siehe da, unter dramaturgischer Moderation des Hauses entwickelten sie das Open-Source-Projekt „Du lügst“: Am 1. April fuhren zwei Busse mit 100 Zuschauern durch Hamburg und erlebten in Wohnzimmern, Kneipen oder Kirchensälen insgesamt 24 Remix-Versionen des 1. Satzes aus „Peer Gynt“.

Ein Jahr später erweitert das Thalia Theater seine Öffnung zur Stadt und springt über die Elbe. Es gilt, ein Zuhause für einen zu finden, der kein Zuhause mehr hat – gemeinsam mit der literarischen Figur Beckmann aus Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ begeben wir uns heute abend auf Spurensuche: Kein Viertel in Hamburg, in dem die Gentrifizierungs-Diskussion heftiger geführt wird als in Wilhelmsburg. Wem gehört die Insel? Wer ist hier Zuhause; wer bleibt und wer kommt? Ein Zuhause für einen verhinderten Heimkehrer wie Beckmann? An den „Sprung über die Elbe“ knüpft sich eine Vielzahl an offenen Fragen: Wie soll der von der Hamburger Stadtplanung propagierte „Sprung über die Elbe“ aussehen? Ein Verdrängungswettbewerb oder Integrationsmodell? Warum interessieren sich überhaupt mit einem Mal alle für ein Viertel, das jahr- zehntelang eher stiefmütterlich behandelt wurde? Mit „Spring doch!“ hat sich das „Du lügst“-Team an ein heißes Eisen herangewagt. Schnell folgten auf die Ausschreibung kritische Rückmeldungen: Betreibt jetzt etwa auch das Thalia- Theater City-Marketing à la IBA?

Wir haben versucht, verschiedene Perspektiven gelten zu lassen: ablehnende und bejahende, radikale und neutrale; Menschen, die ihr Viertel lieben und gegen den „Sprung über die Elbe“ verteidigen und solche, die es lieben und den „Sprung“ begrüßen. Herausgekommen sind sechs eigenwillige Blickwinkel auf die Insel; sechs Versuche, dem Selbstmörder Beckmann eine neue Perspektive zu geben.

Treffpunkt: Thalia Theater / Bühnenpforte (Raboisen 67)

Kommentare

Glückwunsch zu Spring doch!
Ganz herzlich möchte ich mich bei Ihnen und Ihrem Team für die inspirierende Reise durch Wilhelmsburg bedanken und Sie zu dem Format "Spring doch!" beglückwünschen. Beckmann wäre hoch erfreut und mit ihm waren es mehr als 100 kulturaffine Hamburgerinnen und Hamburger. Sie alle haben am gestrigen Abend überraschende Einblicke in ein, auf der kulturellen Landkarte bisher eher nicht verortetes Quartier erhalten. Als Mitarbeiterin der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg kenne ich den Stadtteil gut, auch die meisten kulturellen Initiativen sind mir vertraut - ebenso wie die Kritik von Teilen der Szene an der IBA . Ich glaube fest an die kulturellen Potenziale des Stadtteils und möchte Sie daher fragen, nein mehr noch, ich möchte anregen, dass Sie "Spring doch!" recht bald wiederholen.
Gerti Theis, 16.05.11