Jackie. Ein Prinzessinnendrama

„I want to be Jackie Onassis
I want to wear a pair of dark sunglasses
I want to be Jackie Onassis, oh yeah”
Human Sexual Response
Jackie Onassis

Jaqueline Kennedy Bouvier Onassis (1929-1994) ist ein Mythos. Die jüngste First Lady der Vereinigten Staaten hat sich weit über die Grenzen der USA hinaus im kollektiven Gedächtnis als adrette, intelligente und kultivierte Frau von John F. Kennedy festgesetzt, die immer stilvoll gekleidet aus unzähligen Fotos lächelt. Denn die Kennedys setzten auf die Macht des Bildes und wussten das neue Medium Fernsehen virtuos zu nutzen, wie heute die Obamas das Internet. Dabei ging es immer darum, möglichst viel Kontrolle über das nach außen vermittelte Bild zu gewinnen, sich also den eigenen Zielen entsprechend für die Öffentlichkeit in Szene zu setzen: Jackie ließ sich von dem Designer Oleg Cassini für jede Gelegenheit die passende Garderobe schneidern (auf die von ihr geliebten französischen Marken verzichtete sie seit dem Präsidentschaftswahlkampf aus Imagegründen), sie ließ das Weiße Haus für viel Geld nach ihren Vorstellungen einrichten, schmückte sich mit kulturellem Engagement und studierte ihre Auftritte vor der Öffentlichkeit sorgfältig ein, gipfelnd in der Beerdigungszeremonie ihres Ehemanns, die sie nach der Abraham Lincolns modellierte.

Dieser Kontrollwahn machte den Blick hinter die sorgfältig errichtete öffentliche Fassade besonders reizvoll. Fotografen – nicht zuletzt die ersten Paparazzi - fanden in Jackie ein lohnendes Motiv. Die Fotos von der nach den Schüssen von Dallas mit unkontrollierten Gesichtszügen auf das Heck der Präsidentenlimousine kletternden Frau (ein Moment, von dem sie später angab, sich nicht zu erinnern) oder das der nackten Jackie O. am Privatstrand ihres zweiten Mannes, des millionenschweren griechischen Reeders Aristoteles Onassis, gingen um die Welt. Doch anstatt die „echte“ Jackie zu zeigen, wurden sie zu weiteren Bausteinen des Mythos.

Der Mythos einer Frau, die sich nach dem Attentat auf ihren Mann weigerte, ihr blutbeflecktes rosa Kleid zu wechseln und es noch mehrere Stunden danach zur Vereidigung des neuen Präsidenten Lyndon B. Johnson  trug. Einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes ihren notorisch fremdgehenden Ehemann (unter anderem mit Marylin Monroe) zum Ritter der Tafelrunde stilisierte und somit erst den Kennedy-Camelot-Mythos erschuf. Die darum kämpfte, dass der New Yorker Flughafen nach ihm benannt wurde, eine Bibliothek mit Museum ihm ewigen Ruhm sichert und die zuletzt versuchte, sich als Lektorin aus dem Mittelpunkt der Öffentlichkeit zurückzuziehen, bevor sie im Alter von 65 Jahren an einem Krebsleiden verstarb.

Elfriede Jelineks „Jackie“ ist die Tragödie dieser Frau. Denn im sich manisch rechtfertigenden Sprechen passiert ihr die Erkenntnis – unausweichlich.


Premiere am 7. September 2009 in der Theaterbar Zentrale

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