Haymatloz

Lesung mit Musik
Ferne, Fremde, Heimat … los!

In Deutschland leben rund 2.5 Millionen Menschen türkischer Herkunft. Deren Zuwanderung geht auf die 60er Jahre zurück. Das "Wirtschaftswunder" der 50er Jahre führte in (West-) Deutschland zu einem großen Mangel an Arbeitskräften. Geburtsschwache Kriegsjahrgänge und verlängerte Ausbildungszeiten bewogen die Politik, zunächst aus Italien, dann aus Spanien und Griechenland Arbeitskräfte anzuwerben. 1961, als auch noch durch den Bau der Berliner Mauer die Übersiedlung von Fachkräften aus der DDR nach West-Berlin und in die BRD versiegte, vereinbarten die Bundesrepublik und die Türkei ein Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften. Im Gegensatz zu den Vereinbarungen mit Italien, Griechenland und Spanien erlaubte das Abkommen mit der Türkei nicht, dass die Familien nachzogen. Außerdem wurde bei den türkischen Arbeitskräften ein besonderer Gesundheitscheck durchgeführt. Knotenpunkt war eine deutsche Verbindungsstelle in Istanbul, dort wurden die Bewerber/innen den interessierten deutschen Firmen zugeteilt. Gedacht war ein Rotationsmodell, nach zwei Jahren sollten die Bewerber zurückkehren. Doch es kam anders, schon 1964 gab es eine Neufassung des deutsch-türkischen Anwerbungsabkommens, die Zweijahres-Beschränkung entfiel. 1971 erleichterte die Bundesregierung die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis, dadurch wurde es möglich, Familienangehörige nachzuholen…

Die Jugendlichen haben in ihren Familien nachgeforscht, mit Freunden und Nachbarn gesprochen. Wie sah die Anwerbung aus? Wo kam der Dede, der Großvater unter? Gab es Kontakt zu deutschen Kollegen? Einladungen? Wie war das mit der Sprache? Gibt es besondere Ereignisse und Episoden? Die Schülerinnen und Schüler haben die Migrationsgeschichte(n) aufgeschrieben, nicht nur die türkischen Zuwanderer kommen zu Wort. Die persönlichen Erlebnisse haben aufgewühlt. Die Ankunft in Deutschland zeugte von Angst, Unsicherheit, Entbehrungen. Aber auch von Mut, Anpacken und Stolz, sich behauptet zu haben. „Zum Schluss haben wir gefragt: Wo ist Heimat? Wo man Freunde und Familie hat. Das ist hier in Hamburg! So schreiben wir Geschichte.“

Von und mit den Schülerinnen und Schülern des Wirtschaftsgymnasiums St. Pauli Projektleitung Wolfgang Ehmke

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