Flüchtlinge

Singapore Inc. – ein Land als Firma. Aber was macht der Mensch im perfekt funktionierenden Stadtstaat?

Öffentlicher Wohnungsbau, Programme für die Verbesserung der Höflichkeit und für ein gleichberechtigtes Zusammenleben der verschiedenen Kulturen: Singapur, der kleine Inselstaat in Südostasien, bemüht sich um eine funktionierende Gesellschaft. Freizeit, Verkehr und Sauberkeit sind geregelt und es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Dass beim Modellbauen der Mensch zur Playmobilfigur wird, ist keine Absicht...

Eine chinesische Familie in Singapur. Der Sohn will nach seinem Wehrdienst Architekt werden. „Damit man, wenn man im Zug sitzt, auch das Gefühl hat, dass man von einer Stadt in eine andere fährt“. Er sucht die Subkultur der Stadt und wird als Muslim zum Mr. Liberal. Seine Mutter ist jetzt Christin und wünscht sich einen Fernseher mit eingebauter Kamera – dann würden beim Familienfoto endlich einmal alle lächeln. Der Vater hat seinen weißen Mercedes an einen Inder verkauft. Musste er, denn ein Malaye hat seine Firma übernommen und er selbst fährt nun Taxi. Zumindest muss er dann nicht die Metro nehmen. Mit dieser fahren die Tochter und ihre Freundin zum Flughafen und warten auf ein Unglück: „Ich wollte einfach wissen, wie sich das anfühlt.“ Und der Großvater? Der Großvater sitzt zuhause am Altar und wartet auf die Erscheinung der toten Großmutter.

Alfian Bin Sa’at schreibt in „Flüchtlinge“ über seine Heimat Singapur. Im Konflikt zwischen ordnendem System und kreativer Individualität, zwischen Effizienz und Emotion, letztlich zwischen Modell und Leben, findet jedoch auch die westliche Großstadtwelt ihr Spiegelbild. 

Premiere Thalia Gaußstraße (Garage) am 13. Mai

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Pressestimmen zu Flüchtlinge
Kommentare

Kaleidoskop von Eindrücken
Ein Kaleidoskop von Eindrücken. Improvisationstheater mit guter Besetzung und teilweise bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen. Regt auf alle Fälle zur Diskussion an.
Ute Bunte, 19.06.10