Kinder der Sonne

In einer Bearbeitung von Luk Perceval

Leben auf Pump. Es sind privilegierte Menschen, Künstler, Wissenschaftler, Intellektuelle, die im Hause des Biochemikers Protassow an dem Bild einer heiteren, strahlenden Zukunft basteln, während draußen die Cholera wütet. Protassow hat für seine wissenschaftlichen Forschungen sein Vermögen aufgebraucht und sich der Aufgabe verschrieben, einen glücklichen, edlen Menschen zu erschaffen. Dabei nimmt er die Ereignisse, die um ihn herum geschehen, kaum wahr. In seinem Haus leben aufgeklärte Menschen, mehr oder weniger vernünftig, aber auch sie haben sich durch ihre Ignoranz der profanen Außenwelt gegenüber isoliert. Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die sich schützt gegen Gewalt, Not und Elend, die draußen herrschen. Hier verschließt eine bürgerliche Mittelschicht, die auf Pump lebt, aber das im großen Stil, die Augen vor dem Unvermeidlichen, vor der trivialen, unperfekten, allzu menschlichen Wirklichkeit. Doch diese realen wie auch imaginären Mauern, die sie um sich errichtet hat, werden, wie die Geschichte bald darauf gezeigt hat, zum Einsturz gebracht. „Eine kranke Gesellschaft kann erst dann gesunden, wenn die Quellen des Lichts, der Schönheit und des Wissens allen zugänglich sind“, kommentierte der Dichter sein Drama. Maxim Gorki schrieb „Kinder der Sonne“, als er in der Peter-und-Paul-Festung nach dem Arbeiteraufstand im Januar 1905 inhaftiert war, da er als Aufwiegler verdächtigt wurde. Gorki beschreibt das Versagen der Intelligenzia, die Arbeiter und Bauern müssen sich den Zugang zu Kunst und Wissenschaft selbst erkämpfen.

Premiere am 24. März 2010 im Thalia Theater


Einladungen:

Baltic House Festival, St. Petersburg (Russland)
10. Oktober 2010

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Pressestimmen zu Kinder der Sonne

Kommentare

Jens Harzer und Hans Kremer waren in "Kinder der Sonne" faszinierend - ich wünschte, sie spielten öfters so intensiv miteinander. Jens Harzer hat eine unglaubliche Sogkraft mit seiner künstlerischen Phantasie und seinem außerordentlichen Können - ein Phänomen.
Aus dem Gästebuch, 29.03.11

Nichts Neues
Die Vorstellung heute war unbeschreiblich oberflächlich. Natürlich weckt jeder Hauch von Kritik wohl Behauptungen hervor, man hätte den "Sinn" nur nicht verstanden... Rumgeschrei, möglichst ab und zu nackte Haut. Modernes Theater kann packend sein, wenn es einen überrascht. Wer sich aber hinstellt und den Zerfall der Gesellschaft verkaufen will, erzählt nichts Neues und müsste sich sehr raffieniert anstellen. Die Darsteller waren in ihrem Rumgeschrei durchaus abgemüht, aber gespielt wurde nicht. Kein Wunder, dass das Theater nur halb gefüllt war. Vorschlag, zurück zu den Wurzeln mit klassischen Inszenierungen oder bessere Schauspieler...
Helmut Lotti, 14.05.10

Very inspiring
Hey Luk, I saw Kinder der Sonne yesterday, I am so happy about it, in all aspects. At home in Cph. I read the play at the royal library and was confused, totally. Also if it is a tragedy or a comedy... But yesterday I listened to/saw this "impossible", it is both, like life is for real!!! And it was not confusing, at all. On the opposite, very clear, and giving full reflexions for us watching, the spectators, to existence. The way the actors use their bodies/talk, the interpretation, the characters, the tempi, the female/male bodies, ...wouw...it is so impressive...It is so unique theater in the world and thousand miles ahead from what is ever seen in Denmark. Very inspiring to see, being an actor, being a spectator, and a simple human with thoughts:-) Big virtual hugs to you, and the actors and your whole team. Christine K.
Christine Kjærulff, 06.04.10