Wenn ich nicht hier bin -

Wenn ich nicht hier bin - Beats auf Bewährung
Ein Song-Labor von Bernadette La Hengst

In einem temporären Studio hat sich die Berliner Elektro-Popmusikerin, Theateraktivistin und Performerin Bernadette La Hengst einen Monat lang mit jugendlichen Straftätern aus aller Welt im Jugendknast Hahnöfersand getroffen. In dieser Zeit wurden Songs über das Fernweh und die Idee von Freiheit aus der Perspektive der Gefangenschaft entwickelt. Hierfür hat sie nachgefragt: Was ist dein favourite place, drinnen oder draußen? Wo kommst du her und wo gehst du hin, wenn du hier rauskommst? Woran denkst und wovon träumst du, wenn du das Wort „Freiheit“ hörst? Das Ergebnis dieser Begegnung ist ungewiss (wie die Zukunft der Beteiligten), doch der Weg dorthin steckt voller Geschichten und Songtexte der jungen Menschen, die sich in Hahnöfersand begegnet sind, nachdem sie alle straffällig wurden und im Gegenzug ihre Freiheit dafür hergeben mussten. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, leben aber alle schon länger oder ein Leben lang in Hamburg. Die Jugendlichen nehmen die Kamera in die Hand und inszenieren sich selbst, zeigen, was ihnen am wichtigsten ist und wie sie leben und denken. Und schließlich werden sie für einen Abend Ausgang haben und sich vom Gefängnis in die Freiheit singen und rappen. In der Gaußstraße werden sie gemeinsam mit Bernadette La Hengst einen musikalischen Abend gestalten.

Künstlerische Leitung & Musik Bernadette La Hengst Video Wanja Saatkamp Dramaturgie Sandra Küpper
Mit Insassen aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand & Bernadette La Hengst

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Pressestimmen zu Beats auf Bewährung
Kommentare

Es fehlte der unmittelbare Kontakt
Warum entscheidet man sich ins Theater zu gehen? Warum geht man stattdessen nicht ins Kino oder schaut sich eine Fernseh-Reportage an? Nun, die Antwort ist recht einfach: im Theater wird einem Authenzität geboten. Man tritt mit den Menschen auf der Bühne, die einem eine Geschichte erzählen, unmittelbar in Kontakt. Weil sie einem so nahe sind, kann man ihre Gefühle spüren, man kann sich mit ihnen - auf eine gewisse Weise - verbinden. Dadurch wird es ein einmaliges und wahrhaftiges Erlebnis, das durch nichts zu ersetzen ist. Wer mit dieser Einstellung in die Vorstellung "Beats auf Bewährung" gegangen ist, wurde aber maßlos enttäuscht. Benjamin, Ali, Rachel, Tabea und Henry - die angekündigten JVA-Inasassen - waren nämlich schlicht und ergreifend nicht da! Sie waren lediglich auf einem Video, auf einer Leinwand zu sehen. "Warum bin ich denn dann hier her gekommen?" - mag sich der ein oder andere gefragt haben. Eine durch ein Tonband und über ein Video gefilterte Geschichte kann man sich auch im Kino oder im Fernsehen anschauen. So wurde der Zuschauer schlicht und ergreifend auf den Arm genommen. Und sollte wahrscheinlich auch noch darüber lächeln. Aber dieses Lächeln wurde schnell zu einem eingefrorenen Lächeln. Schade.
Anton von Luckke, 05.02.10