Der Goldene Drache

Burgtheater Wien
Von Roland Schimmelpfennig

Was hat mein Leben mit dem jungen Chinesen, der mir im Schnellrestaurant gegenüber die Thai-Suppe serviert, zu tun? Hängen unsere Schicksale zusammen und wenn ja, dann wie? Sind wir in der Lage, die Zufälle, vielleicht auch Zusammenhänge und Abhängigkeiten, die unsere Lebenspläne so schmerzhaft angreifbar machen und spielend Kontinente überschreiten, als Möglichkeiten zu verstehen?
Roland Schimmelpfennig erzählt in seinem neuen Stück über die gnadenlose Ausbeutung rechtloser Migranten in der chinesischen Restaurant-Szene: Fünf Asiaten arbeiten in der engen Küche im Thai- China-Vietnam-Schnellrestaurant „Der goldene Drache“. Einer von ihnen, ein junger Chinese, ist von furchtbaren Zahnschmerzen gepeinigt. Eine Aufenthaltsgenehmigung hat er nicht, zum Arzt kann er nicht gehen. Die Köche helfen mit einer Rohrzange und er verblutet. Sein Zahn landet durch einen unglücklichen Zufall in der Thai-Suppe. Eine Etage tiefer verlässt eine Frau, die nie ihren Mann verlassen wollte, ihren Mann. Der benachbarte Lebensmittelhändler entdeckt ein lukratives Nebengeschäft. Eine Grille tut alles für eine Ameise, um nicht zu verhungern oder zu erfrieren.
Schimmelpfennigs Stücke zeichnen sich oftmals durch eine überraschende Schnitttechnik und einen lakonischen, liebevollen Blick auf die Menschen aus. Mit poetischer Leichtigkeit stellt er anhand innovativer Erzählformen unsere Begriffe von Zeit, Raum, Geschlecht und Herkunft in Frage. In seinen Dramen blitzt Phantastisches, Grauenhaftes und Weltbewegendes mitten im Alltäglichen auf. Mit den einfachsten Mitteln lässt er das Theater zaubern und stellt im alltäglichsten Moment die Frage nach Identität und kultureller Heimat.

Regie Roland Schimmelpfennig Ausstattung Johannes Schütz Dramaturgie Amely Joana Haag
Ensemble Philipp Hauß (ein junger Mann), Barbara Petritsch (eine Frau über sechzig), Christiane von Poelnitz (ein junges Mädchen), Johann Adam Oest (ein Mann über sechzig), Falk Rockstroh (ein Mann)

Uraufführung am 5. September 2009 im Akademietheater

Nach der Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit dem Autor und Regisseur Roland Schimmelpfennig statt. Moderation: Elisabeth Burchhart (NDR90.3)

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Kommentare

Unter die Haut
Das Stück hat mich/uns schier umgehauen! Mir fehlen die Worte, das gut auszudrücken. Es ging alles so sehr unter die Haut! Alles hatte so sehr mit mir zu tun: die Story, die Spielart. Danke an alle für diese geniale Story und liebevolle Inszenierung! Davon zehre ich noch lange....LG Dagmar
Dagmar Brehmer-Neumann, 01.02.10

Hammer Stück
Hammer Stück, ich hab bei der zweiten Szene, dritter Akt weinen müssen, so sehr hat mich dieser Moment bewegt. Es ist fazinierend wie Herr Schimmelpfennig gekonnt sprachliche Mittel benutzt um die Atmosphäre zu verdichten und Spannung zu erzeugen. Ein tolles Stück Kunst, welches jedoch auch zum nachdenken über unsere politische und gesellschaftliche Ordnung. Viel Erfolg Herr Schimmelpfennig!
Dieter Pechschwarz, 08.01.10