Das Goldene Vlies

Schauspiel Köln
Von Franz Grillparzer
Der Gastfreund – Die Argonauten – Medea
Fassung für das Schauspiel Köln von Karin Beier und Rita Thiele

Vor 200 Jahren hat Grillparzer die mythologische Geschichte vom Goldenen Vlies über die katastrophale Begegnung zweier Kulturen und die Unfähigkeit der Menschen, mit Fremden friedlich zu koexistieren, neu geschrieben. Die Trilogie „Der Gastfreund – Die Argonauten – Medea“ beginnt mit der Geschichte des Griechen Phryxus, der aus seiner Heimat flüchten muss und Aietes, den König von Kolchis, um Asyl bittet. Aietes erhält als Gastgeschenk das Goldene Vlies und ermordet den Fremden, dem er misstraut. Sterbend verflucht Phryxus Aietes, seine Familie und sein Volk für die Missachtung des Gastrechts. Im zweiten Teil landet Jason, der Königssohn aus Jolkos, mit den „Argonauten“ in Kolchis, um den Tod des Phryxus zu rächen und das Goldene Vließ zurück nach Hellas zu bringen. Nur mit Hilfe von Medea, der Tochter des Aietes, gelingt Jason der Raub des goldenen Widderfells und die Flucht aus Kolchis. Der letzte Teil der Trilogie erzählt vom grausamen Ende der Liebe von Jason und Medea; seit Euripides ist diese Geschichte weltberühmt. Jahrelang irren beide durch Hellas, immer wieder werden sie vertrieben. Endlich bitten sie Kreon, den König von Korinth, um Asyl. Kreon räumt ihnen das Gastrecht ein. Trotzdem entspannt sich die Lage nicht. Als Jason Medea verlässt und beabsichtigt Kreusa, die Tochter Kreons, zu heiraten, eskaliert die Situation.
„Nimm Sieg und Rache hin!“ unter dieser Losung glaubte Phryxus einst das Vlies von Gott erhalten zu haben. Den destruktiven Sinn dieser Losung buchstabiert Grillparzer in seinem Trauerspiel bis zum bitteren Ende durch. Er zeigt, wie brüchig unsere Selbstbilder und Wahrnehmungen des Anderen sind: Zivilisation und Barbarentum, Kultur und Natur sind nur zwei Seiten derselben menschlichen Natur. Ein Stück über die Tragödie des Lebens, wenn wir uns begegnen und verfehlen.
Karin Beier wurde in der Kategorie „Beste Regie“ für „Das Goldene Vlies“ mit dem FAUSTTheaterpreis 2009 ausgezeichnet.

Regie Karin Beier Bühne Jens Kilian Kostüme Johanna Pfau Musik Wolfgang Siuda Choreografie Valenti Rocamora i Tora Dramaturgie Rita Thiele
Ensemble
Maria Schrader (Medea), Carlo Ljubek (Phryxus/Jason), Manfred Zapatka (Aietes/ Kreon), Patrycia Ziolkowska (Absyrtus/Kreusa)
Cello
Sue Schlotte Kinder Jokubas Aust / Franziska Bittner / Lena Kramer / Rosa Wilms-Posen

Premiere am 8. Mai 2008 am Schauspiel Köln

Nach der Vorstellung am 27. Januar findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin Karin Beier statt. Moderation: Frauke Stroh

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